An der Nordflanke des Rockelmanns, an der Stelle des alten oberen Steinbruchs, wo früher harter Granit abgebaut wurde und dieser für viele Bauwerke in Schwarzenberg als Baustoff diente, entstand die damalige Feierstätte.
Konzipiert war die Anlage von Anfang an unter dem Namen „Thingplatz“ in Anlehnung an den Versammlungszweck der Großbühne. Bei den Germanen wurde mit dem Begriff „Thing“ eine Volks- und Gerichtsversammlung bezeichnet.
Die geplanten Kosten lagen bei 320.000 Reichsmark. Darin inbegriffen die Herstellung der Zugangsstraßen und die Schaffung eines Parkplatzes am Pappelweg. In einem Kostenanschlag vom Juli 1935 finden sich zusammen mit den Bauzeichnungen auch Angaben über das geplante Fassungsvermögen des “Thingplatzes“. Am 7. April 1934 wurde der erste Spatenstich für den Bau der Anlage getätigt. Träger der Arbeit war die Stadt Schwarzenberg und der freiwillige Reichsarbeitsdienst.
3.000 Kubikmeter Erdmassen und 22.000 Kubikmeter Fels waren zu bewegen. Per Handbohrer mussten 2.400 Löcher gebohrt werden, 100 Männer arbeiteten in Wechselschicht. Sprengschüsse hallten durch das Tal. Dabei wurden 40 Zentner Pulver verbraucht. 1.300 Arbeiter von 11 Jahrgängen hatten in 60.000 Tagwerken, daneben Facharbeiter mit 20.000 Tagwerken, das geschaffen, was vorher nur Idee und Plan war. Vier Jahre darauf, am 26. Juni 1938, wurde die Anlage als „Grenzlandfeierstätte Erzgebirge“ eingeweiht.
Der Besucher der Feierstätte musste damals wie heute, wenn er die herrliche Aussicht auf das Erzgebirge von der obersten Stufe genießen wollte, 174 im Halbbogen angeordnete Stufen steigen. Aneinandergereiht würden sie eine Länge von zehn Kilometern ergeben. Von der Bühne bis zur oberen Treppe ist ein Höhenunterschied von 30 Metern zu überwinden.
Zur Bespielung der Bühne und der Besucherresonanz in den Jahren bis 1950 lassen sich nur schwer Aussagen treffen. Einerseits sind bis auf Tageszeitungen kaum Unterlagen mehr vorhanden, andererseits wird es in den Kriegsjahren nur wenig Veranstaltungen gegeben haben.
Zwischen den Feierstätten der Städte Borna, Kamenz und Schwarzenberg existierte in dieser Zeit auch eine Feierstättengemeinschaft zur Betreibung der Spielstätten.
1950 erfolgte die Umbenennung zur Großfeierstätte “Wilhelm Pieck“. Der erste und einzige Präsident der damaligen DDR weilte selbst zur Namensgebung am 10. September in Schwarzenberg.
Anlass war eine Kundgebung am Gedenktag der Opfer des Faschismus. 50.000 Werktätige aus dem gesamten Erzgebirge sollen dabei gewesen sein.
Anfang der fünfziger Jahre fanden jährlich mehrere Großveranstaltungen mit Ensembles der DDR-Streitkräfte sowie der sowjetischen und polnischen Armeen in der Feierstätte statt.
Ein Großteil der Besucher waren Wismut- Kumpel, die zu diesen offiziellen Kulturveranstaltungen aus der gesamten Umgegend herangefahren wurden.
Die Schwarzenberger Lokalredaktion der “Volksstimme“ organisierte 1955 im Gasthaus zur Sonne eine erste Presseveranstaltung. Dies war der Auftakt zu einem ersten Pressefest im August 1955 im damaligen Karl-Marx-Stadt. 1958 gab es dann einen 1. “Tag der Presse“ auf der “Wilhelm- Pieck- Feierstätte“ mit 5.000 Zuschauern. Ein Programmpunkt war das Staatliche Volkskunstensemble der DDR. Aus den völlig eigenständigen Presseveranstaltungen der Lokalredaktion in Schwarzenberg wurde dann Mitte der sechziger Jahre eine “Vorausveranstaltung“ am jeweiligen Mittwoch vor dem Pressefest- Wochenende in Zwickau und Karl-Marx-Stadt mit einem großen Programm der Konzert- und Gastspieldirektion.
Bis 1989 gaben sich die Größen der DDR-Unterhaltung alljährlich ein "Stelldichein" in Schwarzenberg und sorgten somit für die absoluten Höhepunkte. Die restliche Zeit jeden Jahres waren kulturelle Bonbons recht selten.
Mit verschiedenen bekannten Künstlern der DDR und der sozialistischen Staaten versuchte man in den siebziger und achtziger Jahren die Feierstätte mit Leben zu erfüllen. Selbst Konzerte mit Bands aus dem westlichen Ausland, welche irgendwie verfügbar waren, wurden durchgeführt. Ein nachhaltiges Erlebnis für viele waren 1988 die Feierlichkeiten zum l00jährigen Gründungsjubiläum des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes mit 20.000 Besuchern, darunter viele Gäste aus aller Welt.
Nach der politischer Wende 1989/90 beschlossen die Stadträte ihrer Sitzung am 26. Mai 1993 den Namen “Waldbühne Schwarzenberg“ als verbindliche Bezeichnung einzuführen. Der Name leitet sich aus der natürlichen Lage der Bühne ab und somit trägt die Anlage dieselbe Bezeichnung wie ihre “Schwester“ in Berlin, die nach ähnlichen Plänen geschaffen wurde.
Im nahegelegenen Naturtheater wurde der Bau eines Bühnengebäudes, welches als Back- Stage Bereich für die Waldbühne dient, begonnen.
Im Sommer 1992 begann die Konzertzeit der Schwarzenberger Waldbühne unter marktwirtschaft-lichen Bedingungen.
Oldie- Nächte und Festivals machten die Bühne wieder bekannt und zogen Tausende Gäste. Radiosender und Konzertveranstalter trugen dazu bei. Besonderes Engagement zeigte dabei der Sender Radio PSR, der über mehrere Jahre Geburtstagsparties und Sommernächte mit international hochkarätigen Stars und Bands durchführte.
Mit dem Konzerten der Superstars, wie Peter Maffay, Joe Cocker, Herbert Grönemeyer wurde die Schwarzenberger Waldbühne auch für Top- Veranstalter der internationalen Konzertbranche interessant.
Die Waldbühne entwickelte sich zu einer guten Adresse im Land Sachsen. Bis einschließlich 1996 wurde die Bühne vom Eigentümer für jede Veranstaltung einzeln an verschiedene Veranstalter vermietet.
Ab 1997 wurde ein exklusiver Betreibervertrag mit der concert concept Veranstaltungs GmbH Berlin, welche auch die Berliner Waldbühne betrieb, abgeschlossen.
Neue Vermarktungschancen wurden geboren, die Bühne sollte „wachgeküsst“ werden. Dies wurde bereits mit einer von der Berliner Bühne übernommenen „Mega- Kino“- Filmreihe 1996 versucht.
In den folgenden Jahren wechselte ausverkaufte Veranstaltungen mit vielen großen Künstlern mit Veranstaltungen mit weniger Besucherresonanz. Mit der späteren Gründung der Betriebsgesellschaft Waldbühne Schwarzenberg zusammen mit Semmel Concerts Bayreuth, einem Veranstalter, der die Schwarzenberger Waldbühne ebenfalls als Veranstaltungsstätte in den letzten Jahren bespielte, sollte eine breiter Palette an Events die Bühne bereichern.
Die Konzerte mit Künstlern wie Joe Cocker, erneut Herbert Grönemeyer, Andre Rieu und Wolfgang Petry gingen als Highlights dieser Zeit in die Bühnengeschichte ein.
In den letzten Jahren wurde die Bühne sowie das gesamte Umfeld in mehreren Bauabschnitten umfassend rekonstruiert. Dabei wurden vom Freistaat Sachsen Fördermittel bereitgestellt.
Zugangs- und Fluchtwege sowie Zu- und Abfahrten befinden sich im ansprechenden Zustand. Die Waldbühne Schwarzenberg verfügt über moderne Zuschauertoiletten, eine eigene Trafostation mit Notstromversorgung und teilweise Notbeleuchtung.
Der umliegende Bereich des Freizeitparks Rockelmann wurde umfassend saniert und aufgewertet.
Zum Marketing der Waldbühne bestand von 2005 bis 2007 eine Betreiber- und Vermarktungspartnerschaft mit der EmiR Entertainment GmbH in Leipzig. Neben der gemeinsamen Veranstaltungsakquise entstand ein Basiswerbekonzept zur Waldbühne Schwarzenberg.